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Clone und Joni zu Gast bei „Der Nerd im Visier“

19 Apr

Heute gibt es ein nettes Interview von Hanni und Nanni… äh… Clone und Joni vom herzlichen Rollenspielblog. Witzigerweise haben sich beide dazu entschieden, sozusagen zeitgleich das Interview zu beantworten. Joni stellt sich hier als raubeiniger Rollenspieler da, der „Pseudo-Dramatik-Geschwätz“ nicht leiden kann und Magiern auch nichts abgewinnen kann. Sind wir schon mal zwei! Die Story zu Clones erstem Regelwerk ist auch nicht schlecht. Wie das alles nun genau aussieht, seht ihr am besten selbst. Hellyeah!

1. Seit wann spielst Du Rollenspiel?
Clone (Jan): Seit gut 10 Jahren. Ich war damals 17 oder 18, als mir ein Schulfreund von einer Shadowrun-Session erzählte. Das klang damals so cool und abenteuerlich.

Joni (Peter): Ich habe meine ersten Erfahrungen so vor 16, 17 Jahren gemacht. Ein Kumpel schleppte die zweite Edition des Schwarzen Auges an. Ich habe dann mit weiteren Freunden eine Runde gegründet. Irgendwann sind wir dann auf AD&D2nd umgestiegen.

2. Bist du mehr Spielleiter, oder mehr Spieler?
Clone: Eigentlich eher Spieler. Erst in letzter Zeit leite ich auch häufiger mal.

Joni: Eher Spielleiter, aber in letzter Zeit komme ich auch erfreulich oft dazu, Spieler sein zu dürfen.

3. Welches war dein erstes eigenes Regelwerk?
Clone: Shadowrun 3.01D. Ich hatte es mir von besagtem Freund auf unserer Kursfahrt geliehen und auf der Rücktour einen halben Liter Bier darüber geleert. Damit gehörte es dann mir und ich musste dem Freund ein neues kaufen.

Joni: Wie oben beschrieben: Das schwarze Auge und relativ bald danach das AD&D-Spielerhandbuch der zweiten Edition.

4. Welche Rollenspiele gehören in deine Top 3 Liste?
Clone: D&D und Savage Worlds auf jeden Fall. Ansonsten bin ich mir nicht sicher, aber vermutlich wird Pathfinder die Nummer drei werden, wenn ich es mir endlich mal genauer anschauen kann…

Joni: … wobei ich D&D (3.5) und Pathfinder mal auf einen gemeinsamen Platz auf meiner Liste setze. Weiterhin stimme ich Cloni zu, dass Savage Worlds ganz großes Kino ist. Platz drei würde wohl Traveller einnehmen.

5. Was war deine erste große Erfahrung?
Clone: Ich weiss nicht, ob es als große Erfahrung zählt – aber ein extrem cooles Erlebnis hatte ich in meiner ersten SR-Runde: Mein Char ballerte mit seiner Defiance T-250 mitten durch eine Holztür und verteilte den Ganger auf der anderen Seite über die kompltette Wand. Das war echt krass. Ich wette, wir haben damals die Schrot- und Flechetteregeln gar nicht richtig benutzt, aber was soll es?

Joni: Wir haben Borborad in den Arsch getreten, als noch niemand an die Sieben-Zuschauer-Eisenbahn dachte. Wir haben Akar Kessell höchst selbst besiegt. Und wir sind erfolgreich bei Renraku eingestiegen.

6. Dein lustigstes Rollenspielerlebnis?
Clone: Das sind so viele, ich kann mich gar nicht mehr an alle erinnern. Bei einer DSA-Runde vor vielen Jahren in Emden hatten wir einen Spieler dabei, der etwas anstrengend war – ein extremer Meta- und Powergamer. Da wir etwas unter Zeitdruck waren, teilten wir die Gruppe. Ich als Spitzbube mit dem schnellsten Pferd und der Taschendrachen (auch ein SC), der schnell fliegen konnte, sollten ein Artefakt bei einem Magier abgeben, um unsere Belohnung zu kassieren und dann wieder zur Gruppe zu stoßen. Sie folgte derweil einem anderen Auftrag. Zwischendurch haben der Spieler des Taschendrachen und ich uns in der Küche überlegt, dass wir den Großteil des Geldes für uns behalten und der Gruppe und vor allem besagter Nervensäge nichts sagen. Den SL haben wir dann heimlich eingeweiht. Als wir wieder bei der Gruppe waren, war das Erstaunen groß über die geringe Belohnung. Besonders der Metagamer hat uns schief angeschaut und nach einem Fehler gesucht. Ich glaube, wir haben sogar noch auf Lügen gewürfelt, aber als die Schlitzohren, wie wir waren, konnten unsere Charaktere das natürlich. Das ist sicher kein Beispiel für gutes Rollenspiel und Gruppenzusammenhalt, aber es hat echt Spaß gemacht. Rache ist Blutwurst!

Joni: … solange Rache nicht Hartwurst ist, soll es mir Recht sein. Mir fällt auf Anhieb kein besonders „lustiges“ Erlebnis ein. Aber ich mag nerdiges Geschwätz vor, nach und manchmal während der Runden. Da liege ich gerne mal vor Lachen am Boden.

7. Dein schrecklichstes Rollenspielerlebnis?
Clone: Es gab da mal eine GURPS-Runde in Stuttgart. Ich habe einen Elfen mit Fokus auf soziale Fertigkeiten gespielt. Leider lief es darauf hinaus, dass ich trotz guter Werte bei den NSCs überhaupt nicht gut ankam. Egal wie und mit wem ich gesprochen habe, ich  habe immer patzige Antworten bekommen und selten das, was ich wollte. Die anderen SC hatten hingegen deutlich mehr Erfolg, weil sie einen großen Bonus durch ihre Hintergründe hatten, egal ob sie soziale Fertigkeiten gelernt hatten oder nicht. Kurz gesagt: Ich war völlig sinn- und nutzlos. Später habe ich den Charakter ausgemustert, weil es mir echt zu blöd wurde. Ich habe dann einen stumpfen Haudrauf gespielt und wenigstens im einzigen Kampf, der dann noch folgte, richtig gerockt. Ich glaube bis heute, dass der SL (oder sollte ich „Meister“ sagen?) mich irgendwie auf dem Kieker hatte. Außerdem durfte ich einmal „Mr. J fickt Euch“ bei SR erleben. Schrecklich.

Joni: Meine schlimmeren Erfahrungen haben auch häufig mit SL-Willkür zu tun. Beispiel: Warhammer Dark Heresy, wir werden in einen Kampf gegen irgendwelche Häretiker gezwungen, den wir trotz Freundlichkeit und dem Einsatz sozialer Fähigkeiten nicht vermeiden konnten. Als ich in Deckung springen wollte, sagte der eSeL dann, dass es dort keine gebe (der Kampf fand auf einem Marktplatz mit Ständen und dergleichen statt!) Stattdessen tötete er zwei von uns, ohne in irgendeiner Form Gegnerwerte zur Hand zu haben. Hinterher erläuterte er uns dann, er habe uns mal zeigen wollen, wie „tödlich“ die Welt sei. Auch später: Böseste Regelmissachtungen. Teilweise würfelte der SL und entschied, ohne auch nur auf das Ergebnis zu schauen – schrecklich. Seitdem laufe ich immer schreiend weg, wenn ein Spielleiter behauptet, er sei ja „mehr so der Storyteller“.

8. Was ist dein absolutes Rollenspiel No-Go?
Clone: Siehe vorherige Frage. SL-Willkür bzw. Regelbeugung, eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten als Spieler, unfaire SLs und ausufernde Regeldiskussionen. Regeln klären ist okay, aber nach zwei Minuten muss alles geklärt sein oder der SL soll eine Etnscheidung fällen.

Joni: Würfeldrehs, Pseudo-Dramatik-Geschwätz, Willkür, ahnungsloses D&D-Gebashe

9. Wie stehst du zum Alkoholverbot oder Handyverbot in Spielrunden?
Clone: Alkverbot habe ich das erste Mal erlebt, weil ein ehemaliger SL der Runde nach ein paar Bier den Versuch der SL seine NSC zu töten immer persönlich genommen hat. In solchen Fällen oder wenn jemand dauernd am Handy hängt finde ich solche Verbote gut. Aber solange das nicht der Fall ist, würde ich das Thema gar nicht ansprechen. Im Normalfall klappt es auch dann prima.

Joni: Hängt von der Gruppe. Ein Bierchen oder Rotwein darf gerne mal sein und wenns Handy klingelt, ists halt mal so. Man sollte es nicht übertreiben, aber da ich selbst kein Heiliger bin bei diesen Dingen sollte ich meine Klappe nicht zu weit aufreißen.

10. Deine beste Location, die du zum Rollenspiel bisher genutzt hast?
Clone: An wirklich genialen Orten habe ich bisher nicht gespielt. Aber das Rollenspielzimmer meiner alten Gruppe in Emden mit einigen Regalmetern Regelwerken, dass exklusiv für unsere Runden zur Verfügung stand war ein guter Anfang.

Joni: Die Familie eines Freundes hat ein Gartenhäuschen mitten in Weinhängen an der Mosel. Da haben wir früher immer Shadowrun gespielt, das war cool.

11. Was gehört für dich unbedingt in eine gute Runde?
Clone: Eine Gruppe, die sich untereinander grün ist und das Spiel ernst nimmt sowie ein SL, der seinen Job macht. Mehr braucht es nicht.

Joni: Menschen, die ich mag und die mich mögen.

12. Wie viel Wert legst du auf Musik im Rollenspiel?
Clone: Wenig.

Joni: Ich finde es gut, wenn passende Musik läuft. Wenn nicht, fehlt mir etwas.

13. Wie würdest du deine rollenspielerische Leistung selbstkritisch beschreiben?
Clone: Als Spieler ganz gut. Ich versuche mir oft Gedanken über die Motivationen und Einstellungen meiner Charaktere zu machen und das dann im Spiel umzusetzen. Aber den Taktiker und Regelfuchser in mir kann ich nicht verleugnen. Als SL ist Atmosphäre sicherlich nicht meine Stärke, aber bislang hat sich noch niemand beschwert.

Joni: Ich muss mich zuweilen anstrengen, damit meine Charaktere sich unterscheiden – ich verfalle nämlich gerne in das großmäuliger-Angeber-Schema, auch wenn ich einen Kleriker, Mönch oder sonst was spiele. Auch fällt es mir manchmal schwer, Flachwitzeleien zu unterdrücken. Als Spielleiter bin ich ganz gut, glaube ich. Zumindest laufen mir selten Spieler weg. Allerdings halte ich mich nicht für ein Naturtalent, sondern glaube, dass das deswegen ganz gut klappt, weil ich versuche, eine klare Linie zu fahren und meiner Meinung nach Fairniss jedes Spiel besser macht. Ach ja, eines noch: Ich bin sehr schlecht darin, mir Regeln zu merken, was natürlich bei einem Spieler/Spielleiter, der regeltreues Spiel gebetsmühlenhaft predigt, zuweilen zu peinliches Situationen führt…

14. Sollte streng nach Regeln gespielt werden oder ist Regelmodding in Ordnung?
Clone: Wenn Du Regelmodding in Sinne von Hausregeln meinst, ist es völlig okay. Das mache ich selbst ständig. Aber Regelbeugung geht gar nicht.

Joni: Siehe oben, regeltreu. Allerdings finde ich Hausregeln natürlich wichtig und richtig und bin wie Cloni ein Verfechter von „wenns keiner weiß, dann wird schnell Pi mal Daumen festgelegt.“

15. Spielst du gerne den selben Charaktertyp oder variierst du auch?
Clone: Ich habe schon meine Vorlieben. Ich spiele z.B. gerne Chars mit sozialen Fertigkeiten, Schurken oder Barbaren. Es muss aber jedes Mal etwas eigenes, besonderes sein.

Joni: Ich bin nicht so der Magierspieler, eher spiele ich geschickte Kämpfer oder sonstige Schlitzohren. Kleriker mag ich auch ganz gerne und so Detektiv-Typen.

16. Bist du in der Rollenspieler Szene aktiv und wenn ja, was machst du?
Clone: Ich schreibe fleißig auf unserem Blog „Das herzliche Rollenspiel“ und bin in der Blogsphäre allgemein aktiv. Früher habe ich mal im IRC in verschiedenen Rollenspielkanälen herum getrieben. Ich hoffe, ich finde mal Zeit ein paar Cons im Südwesten abzuklappern.

Joni: Das herzliche Rollenspiel-Blog haben wir ja gemeinsam vor einem guten Jahr hochgezogen. Ansonsten versuche ich, als Spielleiter im Stuttgarter Raum auch Neulinge zu locken und habe früher auch viel gelarpt, wozu ich aber derzeit wenig komme.

17. Schon mal ein eigenes Rollenspiel geschrieben? Wenn ja, kurze Vorstellung!
Clone: Jein. Ich habe vor einiger Zeit zusammen mit meinem Freund Mustrum Shadowrun 3 nach d20 portiert. Ich finde es sehr gelungen. Wen es interessiert, der kann mal in unser Wiki schauen. Aber ein komplettes Rollenspiel habe ich noch nie geschrieben. Ich finde auch, dass es davon wirklich genug gibt. Ich konzentriere mich eher auf Abenteuer, Settings und ähnliches.

Joni: Nein, Abenteuer und dergleichen zu schreiben und zu publizieren, könnte ich mir vorstellen, aber an ein Regelwerk würde ich mich nicht heran trauen.

18. Wie siehst du die Zukunft in Deutschland, was Pen & Paper RPG betrifft?
Clone: Ich weiss nicht, ob sich viel ändern wird. Es wäre schön, wenn nicht ständig neue Nischen-Systeme auf den Markt geworfen werden, dafür mehr Abenteuer für bestehende Systeme. Und es wäre toll, wenn der Mainstream sich von DSA etwas wegbewegen würde. Ansonsten wird es sicher weiter ein kleiner aber beständiger Markt bleiben.

Joni: Ich muss da Cloni in einem widersprechen. Ich finde es toll, dass derzeit viele kleine, ambitionierte und dennoch professionell gemachte Systeme herauskommen oder übersetzt werden. Dieses ganze Zeug, das John-Sinclair-Rollenspiel, Labyrinth Lord, Western City, Barbaren und was es sonst noch so gibt, bereichert die Szene. Man muss nicht alles mögen. Aber es ist ein Angebot und das ist zunächst einmal eine gute Sache. Dass mehr gute (!) Abenteuer und Kampagnen benötigt würden, sehe ich aber auch – kürzlich habe ich mich in einem Blogeintrag zur deutschen Pathfinder-Veröffentlichungspolitik entsprechend ausgelassen. Darüber hinaus finde ich es super, dass einige kleine und teils junge Verlage gegen den Trend erfolgreich ihr Ding durchziehen, ich denke hier vor allem an Prometheus und den 13Mann-Verlag. Es braucht allerdings Ideen, wie der Spieler-Nachwuchs gesichert werden kann. Darüber hier zu philosophieren, würde allerdings den Rahmen sprengen, denke ich.

19. Wie beschreibst du Rollenspiel mit einfachen, wenigen Worten?
Clone: Rollenspiel macht einen Heidenspaß! Falls es etwas genauer sein soll, halte ich es mit PiHalbe: „Rollenspiel ist: gemeinsam in der Phantasie etwas erleben und dabei in Fremdverkörperung Entscheidungen treffen.“ Rollenspiel wirklich in einfachen wenigen Worten zu erklären ist vermutlich unmöglich.

Joni: … Kino im Kopf und im Dungeon fies auf die Fresse.

20. Gibt es abschließend noch etwas zu sagen?
Clone: Metal rulz!

Joni: Black Jack und Nutten!

 
5 Kommentare

Verfasst von - 19. April 2010 in Allgemein

 

5 Antworten zu “Clone und Joni zu Gast bei „Der Nerd im Visier“

  1. Joni

    19. April 2010 at 15:56

    Ein „raubeiniger Rollenspieler“… finde ich witzig😉.

    Vielen Dank an euch für eure Mühe, Ronny und Matt. Abgesehen davon, dass man sich natürlich gebauchpinselt fühlt, wenn man ein Interview geben darf, finde ich, dass die Artikel-Reihe eine feine Idee ist. Viele Grüße aus Stuttgart

    Peter/Joni

     
  2. Dom vom Almanach

    19. April 2010 at 16:03

    @ clone:
    Big sunglasses, always good Band. Good Band always big Sunglases, NO Emperor sunglasses“

    (Fenriz)
    😉

     
  3. Ronny

    19. April 2010 at 18:51

    Alles cool! Kein Ding!🙂

     
  4. TheClone

    20. April 2010 at 08:28

    Waswerwiewo? Sunglasses? Band? Bahnhof?😉

     

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